Wie Sex bei Erkältungen hilft

Von Silvia Aeschbach, 2. November 2018
https://blog.tagesanzeiger.ch/...

Jahrelang habe ich versucht, mein Umfeld davon zu überzeugen, dass bei mir kalte Füsse sehr häufig Erkältungen auslösen. Niemand glaubte mir. Doch endlich bestätigt eine Studie, was ich schon immer wusste: Kalte Füsse sind Gift für mich. Aber auch sonst besteht bei Erkältungskrankheiten Klärungsbedarf.

Neun häufige Erkältungsmythen

1. Erkältungen können durch kalte Füsse ausgelöst werden.
Stimmt: Es gibt tatsächlich Hinweise, dass kalte Füsse signifikant mehr Erkältungen begünstigen. Und es konnte nachgewiesen werden, dass sich gewisse Erkältungsviren bei Kälte schneller ausbreiten.

2. Sex tut bei Erkältungen gut.

Phillip K. M. Katumba, ärztlicher Leiter des Sihlmed-Zentrums ZH.
Stimmt: Sex kann bei Erkältungen eine positive Wirkung haben. Das hat Manfred Schedlowski, Professor für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen, schon 2004 herausgefunden. Die natürlichen Killerzellen sollen im Blut unmittelbar nach dem Orgasmus um 150 Prozent erhöht werden. So sollen virusinfizierte Zellen abgetötet werden. «Zu intensives Küssen würde ich allerdings nicht empfehlen», sagt der Zürcher Arzt Phillip Katumba. Die sogenannte virale Tröpfcheninfektion findet nicht nur bei intimem Körperkontakt statt, sondern auch über die Luftwege beim Husten oder Niessen, oder über Kontaktflächen wie Türklinken usw.

3. Grippeimpfungen helfen, Erkältungen zu verhindern.

Stimmt nicht: Bei der Grippeimpfung ist primär ein relativer Schutz gegen die Influenza-Viren entwickelt worden. «Bei den über 200 verschiedenen Erkältungsviren handelt es sich um komplett andere Virenstämme (Rhino-, Corona-, Enteroviren und Bakterien), daher ist der Impfschutz nicht gegeben», sagt Phillip Katumba.

4. Wer gestresst ist, wird schneller krank.

Stimmt: Besonders negativer Stress schwächt unser Immunsystem, und man wird anfälliger für eine Erkältung.

5. Eine Erkältung dauert sechs Tage. Ob mit oder ohne Medikamente.

Unklar: In der Regel kann eine einfache Erkältung bis zu einer Woche andauern. Phillip Katumba: «Da es so verschiedene Erkältungsviren gibt, sind die Erkältungssymptome und die Krankheitsdauer sehr unterschiedlich.» Zusätzlich können andere bakterielle Infektionen hinzukommen, die eine einfache Erkältung verkomplizieren können.

6. Eine regelmässige Zinkeinnahme hat einen positiven Einfluss auf den Verlauf von Erkältungen.

Stimmt: Dem Spurenelement Zink konnte in verschiedenen Studien eine positive Wirkung auf das Immunsystem nachgewiesen werden. «Zink führt zur Stabilisierung der Schleimhaut-Zellmembranen, was eine optimale Barriere gegen Keime gewährleistet. Zusätzlich ist Zink ein wichtiger Bestandteil für verschiedene Zellfunktionen verschiedener Arten von Abwehrzellen. Eine Zinkeinnahme kann besonders bei älteren Menschen zur Stärkung der Immunfunktionen dienen», sagte der Arzt Phillip Katumba.

7. Eine Unterversorgung mit Vitamin C schwächt das Immunsystem.

Stimmt: Es gibt klare Hinweise, dass eine regelmässige, prophylaktische Einnahme von Vitamin C die Erkältungssymptome und Erkältungsdauer reduzieren kann. Bei einer akuten Erkältung konnte die Hochdosis-Vitamin-C-Therapie in den Studien jedoch leider keinen Effekt zeigen.

8. Bei einer schweren Erkältung sollte man keinen Sport treiben.

Stimmt: Prinzipiell stärkt regelmässige sportliche Betätigung unser Immunsystem. «Bei einer akuten schweren Erkältung kann es aber einen gegenteiligen Effekt haben, da unser Körper aktiv seine Energie für sein Immunsystem benötigt – und so seine Ressourcen für seine Immunabwehr nach dem ausgiebigen Sport möglicherweise erschöpft sind», sagt Phillip Katumba.

9. Zwiebelauflagen helfen bei Ohrenweh und Bronchitis.

Stimmt: «Zwiebeln enthalten verschiedene schwefelhaltige komplexe Pflanzenstoffe, die eine reichlich antivirale sowie antimikrobielle und damit eine entzündungshemmende Wirkung nachweisen», sagt Phillip Katumba. Auch Knoblauchextrakte konnten in klinischen Studien bei regelmässiger Einnahme einen positiven präventiven Effekt zeigen.